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Monsieur Robert kennt kein Pardon

In den 1960er und 1970er Jahren waren die Schauspieler Fernandel, Louis de Funès und Bourvil in fast jeder Komödie, die zu dieser Zeit in Frankreich gedreht wurde, zu sehen. Ähnlich geht es auch heute zu, denn französische Komödien sind ohne Franck Dubosc, Philippe Lacheau und Christian Clavier fast nicht vorstellbar. Was Christian Clavier angeht, so hat der eine sehr hohe Produktionsfrequenz. Eines seiner neuen Werke ist "Monsieur Robert kennt kein Pardon", der nun auch in deutschen Kinos zu sehen ist.

Seit 37 Jahren ist Robert Poutifard nun Lehrer an einer Grundschule, und in all diesen Jahren hat er sehr gelitten. Über die vielen Demütigungen, die ihn erreicht haben, führt er Buch, wobei in diesen Jahrzehnten einige Bände zusammengekommen sind. Ganz besonders haben ihm dabei vier Schülerinnen und Schüler zugesetzt, die er nicht vergessen kann: Anthony, die Zwillinge Camille und Mélanie sowie Audrey, die ihn ganz besonders gequält haben. Denn diese vier haben Schuld daran, dass Robert seine große Liebe Claudine verloren hat. Aber auch, dass sie wissen und es jederzeit ausschlachten, dass er noch immer bei seiner Mutter wohnt, setzt ihm zu.
Nun kann Robert endlich in den Ruhestand gehen, und seinen von sehr langer Hand vorbereiteten Rachefeldzug gegen die vier ehemaligen Gören starten. Er möchte ihre Karrieren vernichten, er möchte sie leiden sehen, wie auch er immer als deren Lehrer leiden musste.
Aus Anthony ist inzwischen ein bekannter Chefkoch geworden, der gerade erst mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet wurde. Die Zwillinge Camille und Mélanie sind überaus erfolgreiche Influencerinnen geworden und Audrey nennt sich nun O'Drey und ist eine sehr erfolgreiche Sängerin. Alle vier will er leiden sehen, und zwar genau in dieser Reihenfolge!
Dass ihn ausgerechnet seine Mutter dabei unterstützt, wundert Robert schon, aber dass sie ein Hacker-As ist, das haut ihn um! So nehmen sie beide Rache an den schlimmsten Vier und freuen sich über ihre Erfolge.

Christian Clavier ist in Frankreich längst eine komödiantische Institution, der seit den 1970er für Lacher im Kino sorgt. In Deutschland wurde er vor allem wahrgenommen, als er als Monsieur Claude seine drei Töchter unter die Haube gebracht hat. Dabei war er in der ersten Realverfilmung von Asterix in der Rolle zu sehen, und hat zusammen mit Jean Reno für riesige Erfolge als "Besucher", oder besser gesagt als "Zeitritter", gesorgt.
Einmal mehr erinnert der so wortgewaltige französische Darsteller mit seinem herrlich überdrehten Körperspiel an frühe französische Komiker, meist ist es aber sein Gesichtsausdruck, der die meisten Lacher produziert.

Gefühlt gibt es mindestens einmal im Jahr einen Film mit dem großartigen Mimen mit dem komischen Talent, der an der Kinokasse abräumt. "Monsieur Robert kennt kein Pardon", dessen Geschichte auf dem Jugendbuch „La troisième vengeance de Robert Poutifard“ von Jean-Claude Mourlevat basiert, hatte mehr als 500.000 Besucher in die französischen Kinos locken können. Was in Deutschland schon als großer Erfolg gilt, wird in der Kino-Nation Frankreich eher als Flop gesehen. So verwundert es nicht, dass es drei Jahre gedauert hat, bis der Film einen deutschen Verleiher gefunden hat, der ihn nun in die deutschen Kinos bringt.

Erst werden überbordend lahme Pennäler-Streiche gezeigt, dann verrennt sich Monsieur Robert zu sehr in seine Rache, dass seine Pläne fast schon außer Kontrolle geraten müssen. Seine zänkische Mutter nervt mit der Zeit, wobei Robert bei seiner eigenen Rache etwas ratlos wirkt. Dann wird der Film zu brav, dass die ganze Komik mit einem Mal abgewürgt wird.
Auch wenn der Filmtitel daran Anleihen nimmt, mit den "Monsieur Claude"-Filmen kann "Monsieur Robert kennt kein Pardon" nicht mithalten, dafür gibt das Drehbuch Clavier zu wenig Raum, um sich richtig entfalten zu können. Dennoch ist dieser Film eine nette Unterhaltung an einem Regentag, der dafür wie gemacht für das Heinkino erscheint.

Pascal May