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Haustausch

Carl Wester sitzt gerade im Flugzeug auf dem Weg nach Santa Cruz, um dort einen schönen, erholsamen Urlaub mit seiner Frau Helene zu verbringen. Carl kann sich an Helene nicht satt sehen, er hat sie gleich von Anbeginn ihrer Beziehung geliebt und kann bis jetzt nicht verstehen, dass sie in ihn genauso verliebt ist, wie er. Helene sagt immer, dass sie ihn so liebe, wie er ist. Sie hatten schon einige Krisen hinter sich, aber in letzter Zeit haben sie sich sehr selten gestritten. Aber irgendwie ist er sich nicht ganz sicher, wie es gerade um ihre Beziehung steht. Die Reise war von vorne bis hinten Helenes Idee gewesen. Normalerweise ist er immer derjenige, der die Flüge oder Hotels bucht, jedes Mal mit Hilfe seiner Assistentin Mirja. Carl hatte nur einen Wunsch zur Unterkunft äußern dürfen, und dies war, dass er ans Meer will. Er musste ihr auch versprechen, dass er nur in Ausnahmefällen Mails schreiben würde, aber irgendwie kann er es nicht vermeiden, denn die Übernahme der Firma Stern & Ljung zieht sich in die Länge und ist noch nicht unter Dach und Fach. Als sie ans Haus kommen und Carl es genauer sieht, ist er erst einmal nicht sehr beeindruckt, denn der Standard, den er gewohnt ist, fällt hier irgendwie anders aus. Wichtig war jedoch für ihn, dass sie ihre angeschlagene Beziehung wieder kitten und eine schöne Zeit hier am Meer haben. Notfalls kann er auch seine Assistentin anrufen, die ihnen ein Hotel organisiert.
Zeitgleich fliegen die Besitzer des Hauses von Santa Cruz nach Stockholm, um dort Ferien im Haus der Familie Wester zu verbringen, ein klassischer Haustausch also. Adam und Scarlett wollen hier ihre Beziehung vertiefen und feiern, dass sie nun schon seit drei Jahren verheiratet sind und Scarlett immer noch sehr glücklich mit ihrem Mann ist. Als sie endlich angekommen sind und alles ausgepackt haben, fährt Adam noch schnell in die Stadt, um sein Atelier zu begutachten. Adam plant eine Ausstellung in Stockholm und hat in der ersten Woche der Ferien noch einiges vorzubereiten. Er will Scarlett auch noch nichts von den Ausstellungsstücken zeigen, denn sie soll erst alles sehen, wenn alles bereit ist. Scarlett will im Schlafzimmer auf Adam warten und ihm ihren Körper zeigen, nachdem sie fünf Kilo abgenommen hat, doch plötzlich steht da jemand in ihrem Schlafzimmer! Es ist die Nachbarin Silvia, die sich bei den „neuen“ Nachbarn vorstellen will. Scarlett ist ganz erschrocken und zugleich ist die Frau auch noch sehr neugierig. Sie macht daher das Beste daraus und lädt Silvia auf einen Drink ein. Sie plaudern am Pool, dann verabschiedet sich Silvia. Plötzlich hört Scarlett Geräusche aus dem Haus und sieht nach. Da steht die Nachbarin im begehbaren Schrank, der eigentlich abgeschlossen war und sie keinen Schlüssel dazu gefunden hat. Scarlett nimmt die Ausrede von Silvia nicht ernst und schickt sie nach Hause. Doch Scarlett ist jetzt neugierig und inspiziert den begehbaren Schrank genauer und entdeckt dort interessante und furchtsame Dinge.
Carl und Helene wollen in Santa Cruz in die Stadt fahren, um gemütlich am Strand zu sitzen und danach zum Essen zu gehen. Als sie in die Garage kommen, entdecken sie dort noch eine weitere Tür, die aber verschlossen ist. Sie nehmen währenddessen das alte klapprige Ding und fahren los. Carl ist noch ziemlich müde von seiner ersten Nacht, denn er hat die ganze Zeit Geräusche gehört, vor allem so ein Klopfen gegen die Rohre. Er muss dieser Sache nachgehen.

Stefan Ahnhem gehört zu einem der besten Thriller-Autoren der Gegenwart, und so ist es nicht verwunderlich, dass er weltweit ein Millionenpublikum für seine Bücher gefunden hat.
Mit „Haustausch“ hat er aber ein ganz neues Level erreicht, denn dieser Thriller hat mich wahrhaftig das Fürchten gelernt. Nicht unbedingt durch die Beschreibung von schrecklichen Dingen, es beschreibt mindestens ebenso gruselig, dass gleich etwas passieren muss, aber irgendwie doch nichts passiert. Dieses Buch beginnt sehr harmonisch und unterhaltsam, vor allem wie so ein Haustausch ablaufen kann, und dass es eine sehr schöne und gute Idee sein kann, für eine kurze Zeit in ein anderes Leben zu schlüpfen. Jede weitere Zeile regt einen dazu an, zu überlegen, wo die Geschichte die Leser hinführen soll und was die Ehepaare vorhaben. Ist es doch nur ein harmloser Urlaub oder steckt viel mehr dahinter? Dies zu erfahren, kann man nur, wenn man dieses Buch zu Ende liest, und das kann einige Nerven kosten.
Nachdem die Streaming-Dienste die Thriller-Literatur für sich entdeckt hat, und deswegen die Rechte für ganze Bestände von Autoren aufkaufen, konnte Netflix an diesem großartigen Autor nicht vorbei kommen. Ab Ende Oktober gibt es die Miniserie zum Buch, und ich kann nur hoffen, dass sich der Streamer die Zeit genommen hat, um das Buch in ein ebenbürtiges Drehbuch zu übertragen. Wer nicht bis dahin warten kann oder möchte, dem sei dringend dieses Buch empfohlen. Aber natürlich auch allen Anhängern undurchsichtiger Thriller! Ich finde „Haustausch“ genial geschrieben und es verspricht Aufregung und allerbeste Unterhaltung bis zur letzten Seite!

Gudrun Loher
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